GESCHICHTE

Am Fuße des Harzes, nördlich vom Rotenberg, liegt das Dorf Hattorf. Mit einer Fläche von 30 km² und 4.500 (davon 3.100 evangelischen) Einwohnern (2006) ist es eines der größten Dörfer Niedersachsens. Es entwickelte sich am Zusammenfluss von Oder und Sieber, im Schnittpunkt zweier alter Heer- und Handelsstraßen. Hattorf ist Bahnstation zwischen Northeim und Nordhausen.

Mit Abstand ältestes Gebäude ist der von weitem sichtbare, 33 m hohe, runde Kirchturm. Er dürfte so alt sein wie der Ort, rund 1.000 Jahre. Allerdings wurde er nicht als Kirch-, sondern als Wehrturm für eine Burganlage gebaut. Von dieser ist – abgesehen von Resten eines Burggrabens im Nachbargrundstück Wode – allerdings weiter nichts erhalten. Der untere, massive Teil des Turms besteht aus Oder- oder Sieberfindlingen und hat eine Stärke von 1,20 m bis 1,70 m. Der hölzerne Aufbau wurde 1627 errichtet.

Mindestens seit 1648 gibt es Glocken im Turm. In den ersten Aufzeichnungen über die Hattorfer Kirchenglocken zu Anfang des 19. Jahrhunderts heißt es, dass - wie noch heute - stets drei Glocken vorhanden gewesen seien: eine Schlageglocke (mit Uhr) und zwei Läuteglocken.
 
Die jetzigen Läuteglocken wurden 1974 in der Glockengießerei Heidelberg gegossen. Die größere wiegt 850 kg und hat einen Durchmesser von 109 cm. Ihr Ton ist fis‘, ihre Inschrift lautet: „Jesus Christus spricht: Kommet her zu mir alle!“. Die kleinere Glocke wiegt 520 kg und hat einen Durchmesser von 91 cm. Ihr Ton ist a‘ und ihre Inschrift lautet: „Erhalt uns Herr bei deinem Wort“.
Die ersten Hinweise auf eine Turmuhr stammen bereits aus dem Jahr 1629. Damals hat sie alle zwölf Stunden aufgezogen werden müssen. 1813 aber hat man das untere Gewölbe des Turms durchbrochen, so dass von da an die Uhrgewichte bis in den untersten, zur Aufbewahrung der Totenbahren bestimmten Raum hinabgingen und dann nur noch alle 24 Stunden aufgezogen werden mussten.

1892 erhielt die Kirche ein mechanisches Uhrwerk, das 1999 von Uhrmachermeister Klaproth, Hattorf, ausgebaut wurde und seit 2001 in einem gläsernen Häuschen mitten im Ort zu sehen ist. 1972 wurde eine vollelektrische Turmuhrenanlage installiert, 30 Jahre später ein neues, funksynchronisiertes elektronisches Uhrwerk.

Außer den Glocken befinden sich noch Nistkästen für Turmfalken und Schleiereulen im Turm, dazu die alte Windlade, mit der „Bälgetreter“ die Orgelpfeifen früher mit Luft („Wind“) versorgten. Heute erledigt dies ein Elektromotor.

Das jetzige Kirchengebäude dürfte das dritte auf dem „Kirchberg“ sein. Bald nach 952 - dieses Jahr gilt als Gründungsdatum Hattorfs - muss eine Kapelle vom Kloster Pöhlde gestiftet worden sein, nachdem man merkte, dass sich der Ort immer mehr zu einem Dorf entwickelte. Diese Kapelle dürfte zwischen der jetzigen Kirche und dem südlich gelegenen Grundstück Wode gestanden haben, denn bei den Fundamentierungsarbeiten auf dem Parkplatz vor der Kirche ist man auf größere Steinplatten gestoßen, die als Platten vor dem Altar der Kapelle angesehen werden könnten.

Ausführlichere Nachrichten gibt es über die frühere Kirche, die um Pfingsten 1755 abgebrochen wurde.  Sie soll 233 Jahre gestanden haben, wäre also im Jahr 1522 erbaut worden. An dieser Kirche sind zwei Türen gewesen, jeweils eine an der Nord- und an der Südseite. Chor und Schiff waren durch ein Kreuzgewölbe verbunden, auch waren sechs Pfeiler in der Kirche vorhanden. Die Kanzel befand sich an der Südseite, die Orgel an der Westseite.  Der Altar war mit einem Gemälde verziert. Die Kirche war massiv gebaut mit einer Länge des Schiffs von 47 Fuß und einer Länge des Chors von 28 Fuß (insgesamt ca. 22 m). Die Breite der Kirche lag bei 27 Fuß (ca. 8 m).

Wegen Baufälligkeit und Platzmangel wurde die alte Kirche abgerissen und der Bau einer neuen Kirche sogleich begonnen. Bereits ein Jahr später, 1756,  wurde sie eingeweiht. Die neue, jetzige Kirche wurde nicht mehr massiv, sondern im Fachwerk, größtenteils aus Eichenholz, errichtet. Sie ist 29,70 m lang (einschließlich des Turms 35,30 m) und 12,40 m breit, mit ehemals vier Haupttüren. Eine Nebentür, die in die Sakristei führt, ist 1799 eingebaut worden. Die nordöstliche Haupttür wurde geschlossen, als die Kirche Ende des 19. Jahrhunderts einen Anbau für die Heizung erhielt.

Die Kanzel befindet sich über dem Altar und ist mit vier korinthischen Säulen verziert.  Die Orgel steht der Kanzel gegenüber an der Westseite.  Pastor Soltmann bemerkte 1827 dazu: „Überhaupt ist die ganze Kirche in allen ihren Verhältnissen zwar einfach, aber nach der besten Symmetrie gebaut, sie kann als Modell für eine Landkirche dienen und macht ihrem Erbauer, dem weiland Amtszimmermeister Andreas Rohrmann zu Herzberg, Ehre.“

Die Kirche hat unten und auf zwei Emporen Platz für ca. 460 Personen und trägt den Namen „Sankt-Pankratius-Kirche“ – benannt nach Pankratius, der als 14-jähriger römischer Christ nach der Legende im Jahr 304 den Märtyrertod erlitt.

Der Kirchenbau wurde aus eigenen Mitteln finanziert. Er hat insgesamt 2.057 Rheinische Taler und 28 Mariengroschen gekostet.  Die Hand- und Spanndienste hat die Gemeinde geleistet - übrigens nicht nur damals. Auch 2000/2001, als das Gemeindehaus erweitert wurde, haben über 60 Personen, Jugendliche und Erwachsene, aktiv mitgewirkt, um der Gemeinde kostengünstig zu einer Heimat zu verhelfen. Ähnlich war es wieder 2006, als der untere Turmraum und der Bereich unter der Orgel neu gestaltet wurde.

Die Orgel wurde 1763 durch Johann Tobias Hansen aus Nörten fertiggestellt. Die Orgel aus der früheren Kirche - ein Positiv mit acht Registern - war unbrauchbar geworden. Die neue enthielt Hauptwerk, Brustwerk, Pedal und 18 Register und kostete 800 Rheinische Taler. Mehrmals gab es gründliche Überarbeitungen und klangliche Umgestaltungen, z. B. 1874 (Becker), 1933 (Weissenborn) und 1970 (Ott). Das Gehäuse aus der Barockzeit blieb erhalten, der geschlossene Spielschrank aber wurde entfernt. Die letzte gründliche Orgelrenovierung geschah 1995 durch Rudolf Janke, Bovenden. Das Klangbild hat sich seitdem vollkommen verändert in Richtung einer ausgereiften Spätbarockorgel.

Rings um die Kirche lag früher der Friedhof. 1955 wurde der neue Friedhofsteil, etwas weiter östlich, in Gebrauch genommen und nach und nach wurden die Gräber nahe der Kirche eingeebnet. Heute findet sich noch ein großer Gedenkstein östlich neben der Kirche. Wie ein Schilderbaum (2007) mit den niedersächsischen Busch-Wohnorten verweist er auf Hattorfs prominentesten Besucher, Wilhelm Busch. Er besuchte von 1841 bis 1907 regelmäßig Hattorf, vor allem seit 1887, als sein Neffe Hermann Nöldeke in das ehemalige weinumrankte Pfarrhaus zog. Aufnahmen aus dieser Zeit sind in der Wilhelm-Busch-Stätte (1985) zu sehen, die in der ehemaligen Aufbahrungshalle, nördlich der Kirche, untergebracht ist. Von Mai bis September ist die Busch-Stätte täglich von 11 bis 16 Uhr geöffnet.

Die Kirche ist zu den Gottesdiensten geöffnet, die normalerweise sonntags um 10 Uhr stattfinden. Am zweiten Sonntag im Monat ist die evangelische Gemeinde allerdings in der katholischen Kirche im Süden Hattorfs zu Gast - und am dritten Sonntag im Monat ist Abendgottesdienst um 19 Uhr. Wer außerhalb der Gottesdienstzeiten die Kirche sehen möchte, kann beim Pfarrbüro (Kirchstr. 9) klingeln oder telefonisch (05584-332) entsprechende Vereinbarungen treffen.